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Chronik

Salzgitter-Flachstöckheim
Torhaus des Gutes in Flachstöckheim
 
Flachstöckheim ist seit über 750 Jahren nachweisbar. Die Einwohner von Flachstöckheim bezeichnen einen Teil ihres Ortes mit Burg. Hier hat ursprünglich (1209) ein alter Walhof gelegen, der zum Schutze gegen Überfälle von Wassergräben und einer dreifachen Hecke umgeben war. Der Walhof war Sippenhof derer von Flashlande (Flachlande) zwischen Oderwald und Lichtenbergen. Aus Vlasland wurde nach einer Urkunde des Klosters Neuwerk (Goslar) 1259 Stockem. Die Einheimischen sprechen auch heute noch von Stöcken, obwohl man den Namen Vlastocken schon 1427 erstmals findet. Im Volksmund wurde später oft von Lumpen-Stöcken gesprochen, weil hier angeblich oder tatsächlich große Armut unter der Bevölkerung herrschte.
 
Von großer Bedeutung für den Ort war das Jahr 1350, als das Rittergeschlecht derer v. Schwicheldt (die Brüder Hans und Heinrich v. Schwicheldt) 6 Hufen Lehnsland vom Hildesheimer Kreuzstift erhielten. Das war der Anfang eines Besitzes, den das aus der Peiner Gegend kommende kraftvolle Geschlecht in seiner Geschlechterfolge gut zu mehren verstand. Die v. Schwicheldt gewannen Salzpfannen in Salzgitter, besaßen in der Stadt ein festes Haus und übten dort auf Jahrhunderte das Patronatsrecht aus. Der besagte Hans v. Schwicheldt war schon ab 1381 Mitpfandbesitzer der Liebenburg. Er wirkte als Treuhänder und Burgvogt auf dieser Burg, verbesserte die Burganlagen und legte für bessere Verteidigungszwecke den großen Mahner Teich an. Mit der Übernahme des Besitzes in Flachstöckheim hatten die Herren v. Schwicheldt wohl den Auftrag übernommen, die hier bei dem Ort gelegene Grenze des Bistums Hildesheim gegen das Herzogtum Braunschweig zu verteidigen. In den folgenden Jahrhunderten bestimmten sie nun das Schicksal von Flachstöckheim, aber auch das der ganzen Gegend bis weit über die Innerste hinaus. Der Name Schwicheldt bekam Glanz unter den Adelsfamilien in Niedersachsen. Man mußte sie achten, wegen ihrer Treue, die sie durch Jahrhunderte lange Zeiten ihren Lehnsherren, den Bischhöfen von Hildesheim, bewiesen. Stets waren sie bereit, sich für ihre Heimat einzusetzen. Weithin berühmt wurden sie auch wegen ihres kriegerischen Sinnes. Sie schlugen 1393 die Ritterschlacht bei Beinum gegen die welfischen Fürsten, verteidigten 1481 erfolgreich Salzgitter in der Bierzinsfehde gegen die Braunschweiger und Goslarer Bürger, kämpften im Schmalkaldischen Krieg 1546 für das evangelische Bekenntnis gegen Heinrich dem Jüngeren v. Braunschweig und fochten im 30jährigen Krieg auf Seiten der Schweden. Um 1750 verließ die Familie den alten Walhof und zog in den von dem hannoverschen Festungsbaumeister Dillinger 1722 erbauten Gutshof, der in seiner Art ein großartiges Zeugnis stilvoller Zweckarchitektur jener Zeit darstellt. Einheitlich ziert das Familienwappen der Bauherren die großen Zehntscheunen und Stallungen. Unschwer sind unter den Gebäuden das einstige schlichte Herrenhaus, das Kavalierhaus und das Verwaltergebäude mit seiner Uhr zu erkennen. Im neuen Schwicheldtschen Anwesen nahm 1758 im siebenjährigen Krieg Prinz Heinrich von Preußen, Bruder Friedrichs des Großen und rühmlicher Oberbefehlshaber auf den westlichen Kriegsschauplätzen, Quartier und ließ durch französische Kriegsgefangene einen Rokkokogarten anlegen, zu dem nach damaligem Geschmack auch ein kleines Naturtheater für Liebhaberaufführungen gehörte (1956 sah die erneuerte Naturbühne ihre erste Theateraufführung und seit 1972 wird diese Übung von der Stadt Salzgitter als nunmehriger Eigentümer alljährlich im Frühsommer fortgesetzt). In der Achse des Herrenhauses durchbrach die mächtige Parkmauer ein prachtvolles schmiedeeisernes Tor, das unter den Grafenkronen die Initialien zweier Gebrüder Schwicheldt wiedergibt. Man sollte sich Zeit nehmen, dieses schöne Barocktor anzusehen. Sehenswert ist auch der schöne Kanzelaltar, die wertvollen Altarleuchten auf drei liegenden Löwen, der Abendmahlskelch aus der Reformationszeit und die 1895 von Kurt v. Schwicheldt gestiftete Orgel in der Kirche.
 
Nach den Napoleonischen Kriegen gestaltete der berühmte preußische Gartenarchitekt Lenne den Rokkokogarten zu einem englischen Landschaftspark um, in dem eine Linde auf einem kleinen Hügel einen hervorgehobenen Platz einnimmt. Wir dürfen annehmen, daß diese einen noch älteren Gerichts- und Thingplatz bezeichnete.
 
Als 1907 der letzte männliche v. Schwicheldt starb und der neue Wohnsitz der Familie auf das Schloß Söder bei Groß-Düngen verlegt wurde, schien der Name Flachstöckheim zu verblassen.
 
Durch die Industrialisierung zu Beginn unseres Jahrhunderts (1911 Kalischacht Friedrichsroda), durch die Ansiedlung der Reichswerke und durch die Aufnahme der zahlreichen Heimatvertriebenen hat sich das Bild des Ortes dann doch ziemlich verändert. Betrug die Einwohnerzahl um 1900 noch 350, so liegt sie heute bei ca. 1500.